10 THEMENFELDER – SAGEN, WAS WIRKLICH WICHTIG IST

Jedes Jahr erkranken in Deutschland eine halbe Million Menschen neu an Krebs - und etwa die Hälfte von ihnen stirbt. VIEL ZU VIELE sagen Experten, die tagtäglich dafür kämpfen, mit neuen Therapien Leben zu retten. Nicht nur kommen diese Behandlungen oft zu spät und bei zu wenig Patienten an, auch in der Vorsorge und Früherkennung muss dringend mehr passieren. Hier stellen 10 Experten, in enger Zusammenarbeit mit betroffenen Patienten, 10 berechtigte Forderungen/Konzeptideen auf, was sich baldmöglichst ändern muss.

Dabei gehen die Experten von folgender These/Forderung aus: Sie fordern den Gesetzgeber auf, zum nächst möglichen Zeitpunkt einen „Präventions-Euro“ auf jede Schachtel Zigaretten zu erheben, so dass die Standardschacht künftig nicht 7, sondern 8 Euro kostet (zum Vergleich: in England kostet die gleiche Schachtel Zigaretten 5 Euro mehr!). Dieser zusätzliche Euro, aus dem in wenigen Jahren eine Milliarde Euro wird, fließt direkt in einen noch zu gründenden „Präventionsfonds“, aus dem sich die folgenden 10 Präventionsvorschläge und Konzepte finanzieren.

Hier die konkreten Strategien/Maßnahmen, die in den einzelnen Themenfeldern ergriffen werden sollten, wenn zum nächst möglichen Zeitpunkt 100 Millionen (pro Thema) zur Verfügung stehen:

1 / FRÜHAUFKLÄRUNG

Gesundheitliche Vorsorge muss bundesweit bereits in der Schule kontinuierlich ein Thema werden und fest im Lehrplan verankert sein, wobei die Themen Gefahren des Rauchens und Schutz durch Impfen (insbesondere HPV) besondere Beachtung finden müssen.

2 / ERNÄHRUNG

Es gilt, kontinuierlich Informationen, wie wichtig gesunde Ernährung ist, zur Verfügung zu stellen: In der Schule, in der Ausbildung, über Krankenkassen, in Apotheken, Arztpraxen und Medien. Die Risiken von Alkohol, zu viel Zucker und Fett müssen für den Bürger noch deutlicher werden!

3 / PRÄVENTION

Bessere Ergebnisse können durch wirkungsvolle Anreize erreicht werden. Das Rauchen ist nachweislich einer der Hauptursachen für Krebs und sollte daher konsequent zurückgedrängt, die Werbung für Tabak verboten werden. Die Tabaksteuern sollten angepasst bzw. erhöht werden. Außerdem müssen mehr Menschen - in Abstimmung mit ihrem Artz  - dazu ermutigt werden, vorbeugende Impfungen zu machen - wie z.B die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, Mund- und Rachenkrebs. Auch bessere Bonussysteme zur Förderung von Bewegung können Anreize setzen. Alle Präventionsprogramme sollten durch regelmäßige Evaluierung optimiert werden.

4 / FRÜHERKENNUNG

Hausärzte müssen besser über Früherkennungsmaßnahmen aufklären, eine regelmäßige Erfragung familiärer Belastung von Krebs muss Pflicht werden. Erfolgreiche Konzepte aus dem Ausland wie das Einladungsverfahren zur Darmkrebsvorsorge sollten übernommen werden (in Holland nehmen über 70 Prozent der Eingeladenen teil, in Deutschland voraussichtlich nur ein Bruchteil davon)

5 / DIAGNOSTIK

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Rate der innovativen, präzisen Diagnostik, insbesondere die breite molekulare Testung, verbesserungsfähig. Benötigt werden Mittel zum raschen Ausbau bundesweiter Netzwerke für die molekulare Diagnostik und deren Umsetzung. Sie ist Voraussetzung für individualisierte maßgeschneiderte Therapiekonzepte, die unmittelbar den Patienten zu Gute kommen. Schlüssel hierfür ist eine enge Kooperation zwischen Forschungseinrichtungen, Universitätsklinika, qualifizierten Krankenhäusern und den onkologischen Schwerpunktpraxen.

6 / THERAPIE

Das Ziel muss lauten: höhere Überlebensrate und bessere Lebensqualität! Dafür müssen neue Therapien für alle Krebserkrankungen aus der Forschung schneller im klinischen Alltag und damit beim Patienten ankommen. (Siehe auch "Neben der Primärprävention haben Arzneimittel das größte Potenzial, die Krebsmortalität zu senken." - ein Beitrag in der Rubrik Veröffentlichungen.

7 / DIGITALISIERUNG

Alle Patienten haben das Recht auf ihre Daten! Es muss sichergestellt werden, dass Hausärzte, Fachärzte und Kliniken die vollständigen patientenbezogenen Daten in strukturierter Form zeitnah und automatisch in eine digitale Patientenakte einpflegen, damit die medizinische Versorgung optimiert werden kann. Gleichzeitig sollten die anonymisierten Daten in wissenschaftlichen Auswertungen dazu beitragen, dass künftige Krebspatienten besser versorgt werden.

8 / PATIENTENKOMPETENZ

Patienten und ihre Selbsthilfe-Organisationen müssen stärker einbezogen werden! Ärzte sollten Betroffene als gleichberechtigte Partner bei der Behandlung sehen. Mit persönlichen Wünschen einbezogen zu werden ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg einer Behandlung. Es gilt Patientensicherheit und Patientenkompetenz nachhaltig zu stärken.

9 / PSYCHOTHERAPEUTISCHE BEGLEITUNG VON KREBSPATIENTEN UND IHREN ANGEHÖRIGEN

Wir brauchen mehr und besser qualifizierte Fachkräfte, damit eine flächendeckende Versorgung von Krebspatienten und ihren Angehörigen möglich wird. Denn die Psyche ist ein sehr wichtiger Teil unseres Seins und unserer Gesundheit.

10 / PFLEGE UND REHA

Die Rolle der Pflegeprofession im Thema hat sich in den vergangenen Jahren fachlich-inhaltlich sehr positiv entwickelt. Strukturell sind Stellenerweiterungen zum pflegerischen Leistungsangebot auszubauen. Mit den Weiterbildungen zu Onkologischen Pflegefachpersonen und dem Ausbau von akademisierten Pflegestudiengängen werden Absolventen inzwischen auf vielen Ebenen hoch verantwortungsvoll im täglichen Behandlungs- und Versorgungssetting eingebunden. Für Menschen mit Krebs bedeuten sie eine zuverlässige und fachkundige Unterstützung. Politische Flankierung und pflegefachliche Weiterentwicklung garantieren mit onkologischen Pflegeexperten insbesondere bei chronischen Verläufen für Patienten und ihre Angehörigen Verbesserungen bei Alltagsbewältigung und Kommunikation auch bei schwierigen Verläufen.

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